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Studium

Passt ein Studium zu mir?

Wir haben ehemalige Auszubildende an unserer Fachschule gefragt, wie sie die Seminargruppen im Oberkurs erlebt haben und wie es mit dem Studium für sie weiterging. Danke fürs Mitmachen!

Von der Kita zur Fanbetreuung beim VfB

Nach meinem Anerkennungsjahr in der Kindervilla Berg im Stuttgarter Osten habe ich mich in Ludwigsburg und Esslingen für ein Studium der Sozialen Arbeit sowie als Zweitwunsch für Frühkindliche Bildung beworben. Leider habe ich damals keine Zulassung für das Studium der Sozialen Arbeit erhalten, aber ich konnte in Ludwigsburg ein Studium der Frühkindlichen Bildung beginnen. Meine Leistungen aus der Ausbildung wurden mir hier erst nach der Erstellung mehrerer Portfolio und einer mündlichen Einzelprüfung angerechnet. Ich weiß noch, dass ich damals ziemlich niedergeschlagen war, nochmal für die Anerkennung kämpfen zu müssen. Nur zwei von sechs Prüflingen haben bestanden. Einer davon war ich. Ein weiteres Manko war damals, dass ich trotz bestandener Prüfung kaum Seminare aus höheren Semestern belegen konnte, da dies organisatorisch nicht möglich war – ich hatte sehr viel vorlesungsfreie Zeit. Diese verbrachte ich dann in der Kita.
Parallel dazu bewarb ich mich aber erneut für ein Studium der Sozialen Arbeit und dieses Mal hatte es geklappt. Im Sommersemester 2016 begann ich mein Studium der Sozialen Arbeit in Esslingen und werde es demnächst hoffentlich auch erfolgreich abschließen.
Während meines Studiums arbeitete ich bis Sommer 2018 weiterhin in Teilzeit in der Kindervilla Berg, habe dort Elternzeitvertretung geleistet und war im Stundenumfang flexibel. Der Nebenverdienst als Fachkraft war für mich als Student ganz schön gut. Neben dem theoretischen Studium habe ich so auch den Kontakt in die Praxis nicht verloren und habe über meine Ausbildung und Tätigkeit in der Einrichtung auch das Stuttgarter Jugendamt näher kennengelernt. Eine Stelle hat mich dort schon seit längerer Zeit interessiert: Über die Dienststelle „Kinderförderung und Jugendschutz“ wird die Kinderbeteiligung in der Stadt gemanagt. Dort konnte ich mein praktisches Studiensemester absolvieren und bei einem Projekt zu Ganztagsschulen mitarbeiten. Schwerpunkt war die Beteiligung der Kinder an dieser Untersuchung. Die Kinder durften sich ihre Wunschschule malen, wurden spielerisch befragt und stellten Vergleiche zwischen Unterricht und Betreuung auf. Durch meine Ausbildung fiel es mir leicht, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, und ich konnte die Situationen bei der direkten Beteiligung gut einschätzen.
Nach dem praktischen Studiensemester hat sich eine neue Chance für mich ergeben, meine große Leidenschaft und mein derzeitiges Ausbildungsziel miteinander zu verbinden. Seit März 2018 bin ich Teil eines vierköpfigen Teams aus Sozialarbeitern und einer Soziologin beim VfB Stuttgart, das für die Fanbetreuung zuständig ist. Wir sind eine Brücke zwischen Fans und Verein und oftmals erster Ansprechpartner. Wir vermitteln zwischen Fans, der Polizei und dem Ordnungsdienst. Wir kümmern uns um die Fans mit Behinderung und stehen in Kontakt mit den Fanbetreuungen anderer Vereine. Zudem leiten wir partizipative Formate und setzen uns für die Beteiligung der Fans ein.
In der Haller Fachschule habe ich erkannt, dass Lernen auch Spaß machen kann – vor allem, wenn es den eigenen Interessen und Vorstellungen entspricht und man seine eigenen Potentiale im Blick hat. Es ist eben nicht die klassische Schule.
Jeremy Jung

„Nun bin ich selbst in der Rolle der Anleiterin“

Katharina Fiedler hat ein Pädagogik-Studium in Freiburg draufgesattelt.

Nach dem Berufspraktikum nahm ich 2013 das Studium an der Katholischen Hochschule Freiburg im Studiengang Pädagogik auf. Zurzeit arbeite ich als Sozialpädagogin auf einer Wohngruppe in einem Kinderheim. Freude bereitet mir, dass ich Kinder mit schwierigen Hintergrundgeschichten bei ihrer Entwicklung und Entfaltung unterstützen und begleiten kann. Ich kann ihnen Möglichkeiten bieten, die sie sonst nicht bekommen hätten. Schön ist: Durch ihr Verhalten und ihre Reaktionen bekomme ich eine Rückmeldung im Hinblick auf mein pädagogisches Handeln. Hilfreich ist auch, dass die Zusammenarbeit im Team bei uns sehr gut ist.
Die Erzieherausbildung an der Haller Fachschule ermöglichte mir eine intensive Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Pädagogik und legte eine breite Basis für die berufliche Entfaltung in den verschiedenen sozialpädagogischen Handlungs­feldern. Ich finde es gut, sich nicht von Beginn des Berufslebens auf ein Arbeitsfeld zu fokussieren, sondern flexibel und offen zu bleiben und durch
Hospitationen, Praktika und Gespräche im Kollegenteam Einblicke in andere Bereiche zu erhalten.
Wichtiger Bestandteil der Ausbildung waren die Praxisphasen und da ich nun selbst in der Rolle der Anleiterin bin, habe ich die Möglichkeit, meine Praktikantinnen und Praktikanten bei ihrer Ausbildung zu unterstützen und erlerntes Wissen an sie weiterzugeben.
Wer bereits während der Ausbildung über ein Studium zur Weiterbildung nachdenkt, sollte den Seminarkurs belegen, da dort erste Grundlagen zum wissenschaftlichen Arbeiten und Lernen vermittelt werden. Beim Übergang ins Studium habe mich über die Unterstützung und Beratung durch die Lehrerinnen und Lehrer der Fachschule gefreut. Für mein Studium an der Katholischen Hochschule in Freiburg wurde mir meine Erzieherausbildung angerechnet, so dass ich den Bachelorabschluss nach verkürzter Studienzeit von 2,5 Jahren erhalten habe.
Katharina Fiedler

„Ich möchte im Jugend- und Erwachsenenbereich arbeiten“

Sandie Maurer hat nach der Ausbildung begonnen, Soziale Arbeit in Esslingen zu studieren.

Nach der Erzieherausbildung an der Haller Fachschule habe ich begonnen, an der Hochschule in Esslingen Soziale Arbeit zu studieren. Mein Berufspraktikum absolvierte ich in einer stationären Wohngruppe der Kinder- und Jugendhilfe. Dort wäre ich auch übernommen worden, aber ich habe mich für das Studium entschieden, weil ich während der Ausbildung erkannt habe, dass ich mich im Jugend- und Erwachsenenbereich weiterbilden möchte.
Das Studium ist sehr vielfältig und man kann je nach Interessen Schwerpunkte setzen. Durch die Erzieherausbildung habe ich herausgefunden, mit welcher Zielgruppe ich später einmal arbeiten möchte, da ich dort für viele Bereiche eine Grundlage bekommen habe. Zudem hatte ich die Chance, meine Fachhochschulreife zu erwerben, welche mir das Studium erst ermöglicht hat.
Das Studium baut auf manche Inhalte aus der Erzieherausbildung auf und vertieft sie. Im Studium der Sozialen Arbeit wird der Schwerpunkt jedoch mehr auf die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen gelegt, was mich sehr interessiert.
Ich kann den Neulingen an der Fachschule sehr empfehlen, alles, was nur geht, „mitzunehmen“, wie zum Beispiel die Fachhochschulreife oder den Seminarkurs – und nach Möglichkeit immer weiter zu lernen.
Sandie Maurer

"Dank Studium wurde mir eine Leitungsstelle angeboten"

Carola Klaiber hat während der Ausbildung die FHR gemacht und anschließend in Ludwigsburg studiert.

Als Jugendliche habe ich mich in der Kinderkirche engagiert und in der Jungschar, auch meine Schwester hat die Erzieherausbildung an der Haller Fachschule gemacht und so war es für mich nach dem Abschluss an der Realschule klar, dass ich Erzieherin werden will. Die Mischung an der Fachschule fand ich toll: Praxisphasen, Unterricht, viele praktische Übungen … Ich habe die Chance genutzt, gleichzeitig die Fachhochschulreife zu erlangen. Der Zeitaufwand hielt sich in Grenzen, da wir Deutsch und Englisch sowieso belegen müssen, lediglich Mathe war zusätzlich. Obwohl ich eigentlich nie vorhatte zu studieren, fand ich es doch verlockend, während dem Oberkurs die Seminargruppen zu besuchen und ein bisschen ins Studieren reinzuschnuppern. Es war ein interessanter Einstieg in die wissenschaftliche Arbeit, das Kennenlernen von Forschungen und wissenschaftlichen Studien – das hat meinen Blick geweitet und die Ausbildung vertieft.

Während des Berufspraktikums war ich in Ludwigsburg immatrikuliert und habe immer montags die Vorlesungen und Seminare dort besucht. Das war das anstrengendste Jahr, weil man gleichzeitig die Anforderungen von Praxisstelle und Schule fürs BP erfüllen und zusätzlich noch Studienleistungen erbringen muss. Trotzdem war es sehr interessant, die anderen Studierenden kennen zu lernen und vertieft an den Themen zu arbeiten. Auch die Dozenten haben sich viel Zeit genommen und uns unterstützt.

Mein Tipp an aktuelle Schüler/innen:
Nutzt alle Möglichkeiten für Praktika und Kurse, nehmt mit, was geht! Ein Arbeitsplatz ist euch sicher. Und wenn ihr euch inhaltlich breiter aufstellt, könnt ihr euch viele Optionen offenhalten.


Nach dem BP habe ich dann drei Semester in Vollzeit in Ludwigsburg studiert. Ich habe es sehr genossen, Zeit zum Studieren zu haben und das Studentenleben auszukosten. Meine Bachelor-Thesis habe ich zum Thema Elternarbeit geschrieben, über die Konzeption von niederschwelligen Angeboten für Eltern und Elternkurse in Zusammenarbeit mit der Kita.

Danach habe ich mich um eine Stelle in einer Kita beworben und habe gleich eine Leitungsstelle angeboten bekommen – dank Studium! Im Moment bin ich in Elternzeit und kümmere mich um meine kleine Tochter. Ich bin gespannt, wo mein Weg hinführen wird. Ich könnte mir gut vorstellen, in Richtung Erwachsenenbildung zu gehen, Elternkurse anzubieten oder auch in die Kita-Sprachförderung einzusteigen. Vielleicht kommt auch ein Masterstudium in Frage. Mal sehen. Es ist toll, dass es so viele Möglichkeiten gibt.

Carola Klaiber

"Die Fachschule zu besuchen und erst im Anschluss daran zu studieren, war genau die richtige Entscheidung"

Marieke Weber hat nach dem Berufspraktikum das Bachelor-Studium in Vollzeit fortgesetzt.

Nach meinem Realschulabschluss war ich noch relativ jung und unsicher, was ich beruflich später machen möchte. Jedoch war mir klar, es soll in die soziale Richtung gehen. Für mich standen zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder ein sozialwissenschaftliches Gymnasium zu besuchen und anschließend zu studieren oder die Ausbildung als Erzieherin an der evangelischen Fachschule in Schwäbisch Hall. An einem Tag der offenen Tür habe ich die Fachschule besucht und den Eindruck gehabt, dass es eine sehr offene, familiäre und zugleich professionelle Schule ist. Die Möglichkeit, nebenher das Fachabitur zu absolvieren, war dann für mich ausschlaggebend, mich dort zu bewerben.

In den ersten zwei Jahren der Ausbildung habe ich viel Praxiserfahrung gesammelt, mir theoretisches Wissen angeeignet und bin persönlich gereift – durch Profilfächer, Wahlpflichtangebote und Reflexionsgespräche mit den Dozenten. Im Unterkurs wurde das Studienmodell mit Seminarteilnahme vorgestellt. Die kleinere Lerngruppe und die Erarbeitung wissenschaftlicher Texte fand ich sehr ansprechend. Daher habe ich mich dazu entschieden. Ob ich dann im Berufspraktikum tatsächlich integriert studiere, stand für mich zu dem Zeitpunkt noch offen.

Die zwei Wochentage im Oberkurs waren sehr hilfreich für die mündlichen und schriftlichen Prüfungen, da Lern- und Entwicklungstheorien und Konzeptionen selbstständig erarbeitet wurden, Fragen wurden ausgetauscht und man konnte viel tiefer ins Thema eintauchen, als es in der Klasse möglich gewesen wäre. Der Seminarkurs und die Teilnehmer waren dann der Grund, warum ich mich dafür entschieden habe, im Berufspraktikum parallel einmal die Woche zu studieren. Der Studiengang findet in Ludwigsburg statt und nennt sich „Frühkindliche Bildung und Erziehung“. Auch das letzte Jahr der Ausbildung war somit stets mit Theorie und Praxis für mich verbunden. Dinge, die ich in der Hochschule hörte, konnte ich direkt in der Praxis ausprobieren und umsetzen.

Diesen Tipp würde ich einer heutigen Schüler/in geben:
Nutze die Angebote der Ausbildung, probiere so viele Berufsfelder wie nur möglich im Rahmen der Ausbildung aus, denn sie beeinflussen deine spätere pädagogische Haltung und dein Handeln. Sie sind ein Schatz in deinem späteren Berufsleben und können dir Möglichkeiten aufzeigen, die du vorher nicht kanntest.

Nach der Ausbildung ging es dann mit dem Vollzeit-Studium los. Die Hochschule ist riesig und sich dort zurecht zu finden war nicht immer einfach. Es ist dann eine Hilfe, Kommilitonen an seiner Seite zu haben und sich durchzufragen. Derzeit bin ich in meinem Praxissemester, welches ich bei der Leitungsstelle in einem Kinderhaus absolviere, denn dies ist auch mein berufliches Anstreben nach dem Abschluss des Bachelors. Auch einen Masterstudiengang kann ich mir gut vorstellen. Doch diese Entscheidung steht für mich noch offen. Immer wieder merke ich, wie wertvoll die Ausbildung für mich persönlich und beruflich ist. Die Fachschule zu besuchen und erst im Anschluss daran zu studieren, war genau die richtige Entscheidung und ich kann es nur weiterempfehlen, diesen Weg zu gehen, denn nur durch die Ausbildung fühle ich mich qualifiziert zu studieren.

Marieke Weber